Finalserie bleibt im Visier

Knapp vorbei ist auch daneben: Mit dieser so banalen wie bitteren Wahrheit mussten sich Hernes Bundesliga-Basketballerinnen am Sonntagnachmittag anfreunden, als sie die Heimreise aus Saarlouis antraten. Zwar hatten sie die gastgebenden Royals in einer harten, kampfbetonten Begegnung am Rande einer Niederlage, letztlich aber ging das erste Halbfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft mit drei Pünktchen verloren. Als Whitney Boddies verzweifelter Dreierversuch in letzter Sekunde etwas zu kurz geriert, war die Verlängerung verpasst und die 59:62-Niederlage zementiert..

Damit steht der HTC vor dem Rückspiel in der MCG-Arena am Freitag ab 19 Uhr mit dem Rücken zur Wand. Ein Sieg ist Pflicht, um die Best-of-three-Serie auszugleichen und ein drittes Spiel zu erzwingen, das dann am Sonntag erneut in der Saarlouiser Stadtgartenhalle stattfinden würde. Um den Traum vom erstmaligen Einzug in die Endspielserie der Deutschen Meisterschaft wahr werden zu lassen, müssen die HTC-Damen mithin einen Gegner binnen 48 Stunden zweimal bezwingen, dem sie in dieser Saison bereits dreimal unterlegen waren.

Eine keineswegs ausweglose Situation, wie Hernes Trainer Marek Piotrowski meint. So sehr ihn die unglückliche Niederlage schmerzte, sie hat seinen Kampfeswillen nur weiter angestachelt. „Wir werden das jetzt in Ruhe analysieren und wollen dann alles dafür tun, die Serie am Freitag auszugleichen“, wirkte der „Magier“ überhaupt nicht zerknirscht. „Ein paar Sachen müssen wir einfach besser machen, aber wir sind auf Augenhöhe.“

Während Piotrowski mit seinem Co-Trainer Marcin Dolega eine erfolgversprechende Taktik auszutüfteln versucht, beackern Physios und Teamarzt ein nicht minder bedeutsames Arbeitsfeld: Sie werden alles tun, um die drei lädierten Spielerinnen bis Freitag wieder fit zu bekommen. Am geringsten ist die Hoffnung bei Radostina Slavova-Naneva, deren Beschwerden einfach nicht abklingen. Bei Kapitänin Emina Karic, die nach gut drei Monaten Verletzungspause in den Play-Offs gegen Halle ein beachtliches Comeback feierte, meldete sich in Saarlouis das Knie wieder, so dass sie die Partie vorzeitig beendete. Nach ein paar Tagen Ruhe könnte sie am Freitag wieder eine Option sein. Ob das auch auf Kristi Bellock zutrifft, die sich beim Spiel in Halle das Knie verdrehte, wird Piotrowski an diesem Dienstag erfahren, wenn das Ergebnis einer MRT-Untersuchung vorliegt.

„Das war in Saarlouis unser größtes Problem, dass wir nur mit einer Siebener-Rotation antreten konnten“, blickt Piotrowski noch einmal auf das erste Halbfinalspiel zurück. Erschwerend kam hinzu, dass sich Hernes Topscorerin Sonja Greinacher früh ihr viertes Foul einhandelte und schon im dritten Viertel lange auf der Bank saß. So mussten auch die Spielerinnen auf dem Feld bleiben, die nicht ihren allerbesten Tag erwischt hatten. „Und das kann jeder mal passieren“, wollte Hernes Headcoach keine Kritik äußern.

Aus gutem Grund. Denn jetzt gilt es, alle Kräfte zu mobilisieren, um die Halbfinalserie am Wochenende doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Dass im ambitioniert zusammengestellten Herner Kader genug Qualität steckt, um sich hinter Wasserburg als zweite Kraft des deutschen Damenbasketballs zu etablieren, ist kaum zu bestreiten. Das Verletzungspech zieht sich allerdings wie ein roter Faden durch die Saison und ist mittlerweile zu einem treuen, wenn auch unerwünschten Begleiter geworden.

Höchste Zeit, dass sich das ändert. Am besten bis Freitag.

12.03.2016 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer

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